Dorferneuerung


 

Strukturwandel in der Landwirtschaft

Der Strukturwandel und die allgemeine wirtschaftliche und technische Entwicklung lösten in unseren Dörfern schon seit den 50er und 60er Jahren einen tiefgreifenden Wandlungsprozeß aus. Kennzeichen dieses Prozesses sind u. a.:
  • Extremer Rückgang der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft
  • Verlust der innerörtlichen Versorgung durch kleinere Handwerksbetriebe und Einkaufsmöglichkeiten
  • Funktionsverlust landwirtschaftlicher Gebäude und Verfall der Bausubstanz in den historischen Ortskernen
  • Demographischer Wandel durch Rückgang der Geburten und Fortzug der erwerbstätigen Bevölkerung
  • Verödung der Ortskerne, drohender Identitätsverlust der Dörfer
  • Entstehung von Siedlungserweiterungen ohne regionalem Bezug
Je weiter der Wandlungsprozess fortschritt, desto deutlicher wurde, dass die ungebremste Fortsetzung dieser Entwicklung für das Dorf eine Fehlentwicklung mit zum Teil endgültigen Verlusten wäre. Dorferneuerung entstand in den 70er Jahren als Gegenbewegung, die  von Bund und Ländern mit Förderprogrammen unterstützt wird.

Bild: Blick auf die alte Ortsmitte von Ober-HilbersheimBild: Blick auf die neue Ortsmitte
Der Ortsmittelpunkt von Ober-Hilbersheim wurde mit Fördermitteln aus dem Dorferneuerungsprogramm neu gestaltet

 

Dorferneuerung mit Konzept

Jede Ortsgemeinde mit einem qualifizierten Dorferneuerungskonzept wird in das Förderprogramm aufgenommen, und sowohl für private als auch für kommunale Maßnahmen können Fördermittel fließen.
Das Dorferneuerungskonzept ist ein örtliches Entwicklungskonzept, welches in Text und Karte eine Übersicht ermöglichen soll über künftiges Planen und Handeln im Dorf, und das den zeitlichen und finanziellen Rahmen für die vorgesehenen Maßnahmen benennt. Es wird bei der Aufstellung eine intensive Beteiligung der ansässigen Bürger und Grundstückseigentümer angestrebt.
Jeweils für sechs Jahre Laufzeit werden einzelne Dorferneuerungsgemeinden von der Landesregierung als "Investitions- und Maßnahmenschwerpunkt" (IMS) anerkannt. Mittels Fortschreibung der Dorferneuerungskonzepte sowie besonderer Beratungs- und Moderationsleistungen soll diesen Schwerpunktgemeinden eine vorrangige Berücksichtigung bei der Verteilung der Fördermittel ermöglicht werden.

Zuschüsse zur Dorferneuerung können in den anerkannten Dorferneuerungsgemeinden bewilligt werden:
Appenheim
Aspisheim
Bacharach-Neurath
Badenheim
Bodenheim
Bubenheim
Dalheim
Dexheim
Dienheim
Dolgesheim
Dorn-Dürkheim
Eimsheim
Engelstadt (IMS)*
Essenheim
Friesenheim
Gau-Bischofsheim
Gensingen
Grolsheim
Guntersblum
Hahnheim
Harxheim
Hillesheim
Jugenheim
Klein-Winternheim
Köngernheim
Lörzweiler
Ludwigshöhe
Manubach
Mommenheim
Münster-Sarmsheim
Nackenheim
Niederheimbach
Nieder-Hilbersheim
Nierstein
Nierstein-Schwabsburg
Oberdiebach
Oberheimbach
Ober-Hilbersheim
Ober-Olm
Schwabenheim (IMS)*
Selzen
Sörgenloch
Sprendlingen
St. Johann
Stadecken-Elsheim
Trechtingshausen
Uelversheim
Undenheim
Wackernheim (IMS)*
Waldalgesheim
Waldalgesheim-Genheim
Weiler
Weinolsheim
Wintersheim
Wolfsheim
Zornheim

* IMS = Investitions- und Maßnahmenschwerpunkt der Dorferneuerung

 

Ziele der Dorferneuerung

Gemäß der Leitlinie Innenentwicklung vor Außenentwicklung sollen vorhandene Potenziale im Bestand durch Reaktivierung oder bauliche Verdichtung besser ausgeschöpft werden. Hierdurch können eine weitere Inanspruchnahme von Landschaft für Siedlungszwecke vermieden, Ortskerne revitalisiert und die kommunale Infrastruktur optimiert werden.

Die Ergebnisse der Dorferneuerung dienen:

  • der Förderung der Wirtschaftskraft im ländlichen Raum
  • dem Aufzeigen von Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten für örtliche Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe
  • der Sicherung und ggf. Wiederherstellung der privaten Grundversorgung mit Gütern für den täglichen Bedarf
  • dem Bewahren eines eigenständigen Charakters des Ortsbildes mit seinen orts- und landschaftstypischen Bauformen
  • der Förderung des dörflichen Gemeinschaftslebens
  • dem Erhalt und der Schaffung von Lebensräumen für heimische und dorftypische Tier- und Pflanzenarten

Bild: Ursprungszustand einer Fassade in Nackenheim   Bild: Neugestaltung der Fassade in Nackenheim

Mit Unterstützung aus dem Dorferneuerungsprogramm,
konnte diesem Gebäude ein ortstypisches Erscheinungsbild gegeben werden.


 

Praxis der Dorferneuerung

Die Kreisverwaltung steuert insbesondere die Förderprogramme für private Bauherrn, nicht nur als Zuschussgeber, sondern häufig vom Erwerb des Objektes an; Sozusagen vom ersten Planungsgespräch bis zum Einzug. Dazu gehören beispielsweise die Anpassung von älteren Wohngebäuden im Ortskern an zeitgemäße Wohnverhältnisse oder die Umnutzung von leerstehenden Scheunen zu Wohnungen, aber auch zu Arbeitsstätten. Ansprechpartner können sowohl die Bauherrn selber, als auch Planer und Architekten sein. Bei allen Dorferneuerungsmaßnahmen hat die Erhaltung von alter Bausubstanz im Dorf immer den Vorrang vor ergänzender Neubebauung. Im Mittelpunkt steht die strukturelle Entwicklung des Gemeindelebens. Dazu gehört, auch modern interpretiert, die Bewahrung des typischen Ortsbildes mit traditionellen Materialien in handwerklicher Bearbeitung. Erfolge entstehen nicht nur durch aufwendige Neubauten oder Sanierungsmaßnahmen, sondern schon mit kleinen Veränderungen beispielsweise bei der Fassadengliederung, Materialwahl, Farbgebung oder einfach nur durch die Art der Verarbeitung.


Bild: Blick in einen alten HofBild: Der sanierte Hof

Mit Unterstützung aus dem Dorferneuerungsprogramm zog neues Leben in den alten Hofraum



 

Der private Förderantrag

In den Dorferneuerungsgemeinden werden Vorhaben von privaten Bauherren gefördert,  sofern sie zur Strukturverbesserung im Ortskern, sowohl hinsichtlich ihrer Funktion als auch der Gestaltung, beitragen. Die Kreisverwaltung hat für die Planung ein Merkblatt gefertigt, das als Download zur Verfügung steht. Die Anträge sind an keine Frist gebunden, jedoch wird grundsätzlich ein  frühzeitiger Kontakt zu Beginn der Planungsphase empfohlen.

Der Förderantrag steht ebenfalls als Download zur Verfügung. Unverzichtbare Anlagen sind:

  • Lageplan
  • Fotografien, die den Bestand dokumentieren
  • detaillierte Unternehmerangebote oder eine vom Architekten erstellte Kostenberechnung
  • Planzeichnungen bei Änderungen am Gebäude
  • Aufstellung der Eigenleistungen soweit beabsichtigt



 

Formulare / Publikationen zum Download (PDF):