Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

15. März 2017


Wer kennt die Fragen und Probleme  die Flüchtlinge bei der Integration in Deutschland haben besser, als die Flüchtlinge selbst? Sicher fällt es Außenstehenden schwerer, sich in diese Situationen hineinzudenken, als denen, die sie selbst schon gemeistert haben. Im Kreis Mainz-Bingen startet das JobCenter deshalb nun das Projekt „Flüchtlinge helfen Flüchtlingen“. Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat steht Mohammad Al Younes im JobCenter in Ingelheim - ohne vorherige Anmeldung - in Zimmer 231 für Fragen und Beratungen von 14 bis 16 Uhr zur Verfügung. Im zweiten Schritt sind Sprechstunden mit Multiplikatoren - auf Ehrenamtsbasis -  in den Verbandsgemeinden und Städten geplant.

Der 38-jährige Syrer Al-Younes kennt die Schwierigkeiten, sich in einer neuen Umgebung einzugliedern nur zu gut. 2014 flüchtete er unter abenteuerlichen und tragischen Umständen aus Damaskus, im Zickzackkurs über das Mittelmeer, Nordafrika und Südeuropa. Es fällt ihm schwer zu erzählen, wenn er von gefährlichen, gewalttätigen Situationen auf Schiffen ohne Antrieb und Besatzung, Schleppern und Konflikten unter den Flüchtenden berichten möchte. Oder wenn er die Gründe beschreibt, warum er aus Damaskus fliehen musste („Krieg ist dort überall, auch dort, wo keine Bomben fallen“). Schließlich kam er nach Deutschland, erhielt hier viel Unterstützung von den Integrationshelfern in Guntersblum, lernte in kurzer Zeit die Sprache. Er unterstützte zunächst ehrenamtlich andere Flüchtlinge, übersetzte, half ihnen, sich hier zu Recht zu finden. Und so wurden  Mitarbeiter des JobCenters Mainz-Bingen auf ihn aufmerksam. Er bekam das Angebot, als Fachassistent der Eingangszone im Büro für Flüchtlingsangelegenheiten zu arbeiten und bei Bedarf mit seinen Sprachkenntnissen zu unterstützen. Eine Arbeit, die ihm Spaß macht. „In Damaskus hatte ich eine Computerfirma mit vier Angestellten, ich habe immer Verantwortung übernommen, auch für andere Menschen auf der Flucht und möchte hier meinen Teil zur Integration beitragen“, erzählt der studierte Elektrotechniker. Für alle Flüchtlinge hat Al Younes eine klare Botschaft: „Lernt die deutsche Sprache, lernt die Kultur kennen. Seid nicht nur körperlich hier, sondern lasst euch auf das Land und die Menschen ein. Akzeptiert die Kultur und die Gesetze. Dann bekommt ihr auch eine Chance, so wie ich.“

Seine Familie hat Al Younes zwischenzeitlich nachholen können, die Kinder gehen in Kindergarten und zur Schule, seine Frau lernt mit Hochdruck Deutsch. Wenn er nun zur Ruhe kommt, will er ein Buch über seine Erlebnisse schreiben.

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